Ist dieser Virus schuld an Übergewicht und Fettleibigkeit?

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Eine Impfung gegen Übergewicht klingt zunächst, wie eine Vision aus einem Science Fiction-Film, doch jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass genau das bald Realität werden könnte. US-Forscher haben Berichten zufolge einen Zusammenhang zwischen einer Gewichtszunahme und dem Adenovirus-36 gefunden. Dieser weitverbreitete Virus ist mit Darminfekten, Atemwegsproblemen und Augenerkrankungen verbunden. Nun mehren sich die Hinweise, dass diese Viren auch schuld an einer der häufigsten Gesundheitsprobleme weltweit sein könnten: Übergewicht.

Die Geschichte hinter dem Fettleibigkeitsvirus

Frühere Studien zu Adenovirus-36 haben gezeigt, dass sie das Körpergewicht um bis zu 15% erhöhen können. Diese Versuchsreihe wurde zwar an Mäusen und Affen durchgeführt, jedoch war eine Übertragbarkeit auf den Menschen denkbar. In der aktuellen Studie entnahmen die Forscher gesunde Gewebeproben von 80 krebserkrankten Frauen. Vier von fünf fettleibigen Frauen trugen dabei das Adenovirus-36 in sich.

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Die Forscher vermuten, dass Adenovirus-36 die Fettzellen insofern reizt, dass in diesen eine Entzündungsreaktion ausgelöst wird. Der Abbau solcher Zellen ist für den Körper sehr aufwendig, so dass diese sich im Organismus ansammeln.

Schätzungen zufolge ist Adenovirus-36 in der Bevölkerung recht weit verbreitet, doch es scheint auch gute Neuigkeiten zu geben. Laut dem Forscher Dr. Wilmore Webley, der die Versuche an Krebspatientinnen durchgeführt hat, gebe es bereits Impfstoffe gegen Adenoviren, die vom US-amerikanischen Militär entwickelt worden. Daraus ließe sich, seiner Einschätzung nach, auch eine Impfung gegen dieses Virus entwickeln.

Derzeit würden nur die offiziellen Gelder für die Entwicklung einer solchen Therapie fehlen, um den Impfstoff kommerziell zu verbreiten. Dabei hätten südkoreanische Tierversuche bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert, dass eine Infektion von Fettzellen mit dem Virus verhindert werden könne Dr. Webley schlägt daher vor, einen solchen Impfstoff für junge Menschen verfügbar zu machen, um eine virusinduzierte Gewichtszunahme im Laufe des Lebens zu verhindern. [1]

Ein Impfstoff gegen Übergewicht?

Dennoch zeigen sich viele Forscher nicht so enthusiastisch wie Dr. Webley, was die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Fettleibigkeit anbelangt. Laut Prof. Nick Finer vom University College London seien derartige Studien, die einen Zusammenhang assoziieren nicht ausreichend, um zu belegen, dass das Virus der Urheber der Gewichtsprobleme sei.

Auch Tam Fry, die Vorsitzende des englischen National Obesity Forum ist, sei der Gedanke, dass Adenovirus-26 mit Fettleibigkeit in Verbindung stehe, nichts Neues. Bereits seit mehr als dreißig Jahren werde daran geforscht, jedoch ohne nennenswerte Fortschritte zu machen. Darunter auch eine Studie von Dr. Dhurandhar, der Adenovirus-36 mit der hohen Fettleibigkeitsrate in England in Verbindung brachte. (2)

Dennoch ist Fry davon überzeugt, dass weiter an dem Virus geforscht werden solle. Jedoch werde es wohl noch einige Jahrzehnte dauern, bis tatsächlich ein kommerzieller Impfstoff entwickelt würde.

Ihrer Meinung nach ist das Festhalten an einem gesunden Lebensstil unumgänglich, um langfristig etwas gegen die Übergewichts-Epidemie tun zu können – selbst wenn Adenovirus-36 tatsächlich ein Auslöser für Gewichtsprobleme sei. eine ausgewogene Ernährung, genügend Bewegung und das Berücksichtigen von Portionsgrößen seien ein wichtiger Faktor für den Erhalt der Gesundheit.

Das Zeitalter der Fettleibigkeit

Fettleibigkeit ist neben Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eines der weit verbreitetsten Gesundheitsprobleme unserer Zeit. In Deutschland gelten 67% der Männer und 53% der Frauen als übergewichtig. (3) Orientiert man sich an den Hochrechnungen der WHO für die Entwicklung von Adipositas in Europa, die von einem moderaten Zuwachs bis 2020 ausgeht, dann ist bis dahin mit Gesamt-Therapiekosten in Höhe von mindestens 25,7 Mrd. € alleine in Deutschland zu rechnen. (4)

Die deutschen Ernährungsverbände sprechen schlechten Essgewohnheiten und mangelnder körperlicher Aktivität die Hauptschuld für Übergewicht zu. Dazu gehört der Konsum großer Mengen verarbeiteter Produkte, die viel Zucker und Fett enthalten. Immer wieder weisen Forscher auch auf vermeintliche Suchtstoffe in Fast Food hin, während andere sogar vermuten, dass diverse verarbeitete Lebensmittel denselben Suchteffekt haben wie harte Drogen.

Auch das aggressive Marketing für scheinbar „gesunde“ Lebensmittel steht immer wieder in der Kritik. Allen voran Produkte für Kinder, die als gesündere Alternative angepriesen werden, jedoch voller Zucker und künstlicher Zusätze stecken. Allein für das Marketing solcher Kinderprodukte werden jährlich hunderte Millionen Euro ausgegeben.

Das amerikanische Präventions-Institut schlägt Alarm, denn die Werbung habe einen langfristigen Effekt auf die Kinder: „Selbst fünf Jahre nachdem Kinder der Bewerbung ungesunder Lebensmittel ausgesetzt waren, kaufen sie weniger Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, erhöhten aber ihren Konsum von Fast Food, frittierten Lebensmitteln und Zucker.“ Hierzu habe es bereits Studien gegeben.

Laut dem Institut gibt allein de Fast Food Industrie an jedem Tag über 5 Mio. US-Dollar für das Marketing „ungesunder“ Kinderprodukte aus. Die Auswirkungen dieser Vermarktungspolitik sind erschreckend: Noch vor 40 Jahren war 1 von 100 Kindern fettleibig, heute sind es 6 von 100 Mädchen und 8 von 100 Jungen. (5)

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